Nationalpark Stilfser Joch – Edi Stricker, Berghof Stallwies

Berghof Stallwies

Südtirol ist die nördlichste Provinz Italiens, die sich bis heute kulturell und sprachlich vom Rest des Landes unterscheidet. Die meisten Menschen sprechen noch immer Deutsch, weil Südtirol erst seit Ende des 1. Weltkriegs zu Italien und nicht mehr zu Österreich gehört. Die Region selbst steckt voller Gegensätze: Das Leben im Tal ist seit Jahrhunderten völlig anders als das auf einem der 1000 Erbhöfe, die von Generation zu Generation weitervererbt werden. Der Bergbauernhof Stallwies im Nationalpark Stilfser Joch ist einer von ihnen und befindet sich bereits seit 1388 in Familienbesitz. Edi Strickers Vorfahren siedelten an den Berghängen in 1952 m Höhe und entschieden sich damit für ein Leben, das von der Entwicklung im Tal abgekoppelt war, um dem Einfluss mächtiger Grafen, Fürsten und Lehnsherren zu entfliehen. Bis in die 1980er Jahre hinein war der Hof nur zu Fuß erreichbar, weshalb Edi Stricker manchmal über Monate nicht ins Tal kam. Seit dem Bau einer Straße hinauf zum Hof hat sich viel verändert: Auch die Bürokratie in Form zahlreicher Verordnungen sowie der Tourismus sind auf Stallwies angekommen.

Tourismus als Herausforderung

Von Frühling bis Herbst kommen jedes Jahr viele Wanderer als Tagesausflügler oder Übernachtungsgäste auf den Hof. Um den richtigen Umgang mit den Fremden zu lernen, belegte die gesamte Familie Stricker einen Kurs bei der Tourismusbehörde – ein Aufwand, der sich gelohnt hat: Inzwischen sichert der Tourismus das finanzielle Überleben des Hofes und damit die Bewirtschaftung der Wiesen und Weiden. Edi Stricker ist überzeugt, dass heute kein Hof mehr ohne Zuerwerb überleben kann, doch die Touristen fordern ihm auch einen ständigen Rollentausch zwischen Landwirt und Gastgeber ab. Erst kürzlich übergab der 73-jährige Edi den Hof an seinen Sohn Oswald, der Stallwies mit neuen Ideen weiterführen und sein Fortbestehen in Familienhand sicherstellen soll. Nach 40 Jahren Pause baut Oswald inzwischen erneut nach alter Familientradition Roggen an, was Stallwies wieder zum höchstgelegenen Kornhof der Region macht.

Waale

Nicht nur für den Roggen ist die Beregnung der Felder in Südtirol lebensnotwendig. Seit jeher sind die Menschen auf Schmelzwasser aus den Bergen angewiesen, da es im trockenen Vinschgau so selten regnet wie auf der Mittelmeerinsel Sizilien. Über die Jahrhunderte legten die Bauern daher mit einem 600 km langen Waal-Netz eines der ausgedehntesten Bewässerungssysteme der Alpen an, damit Wasser aus über 3000 m ins Tal fließen konnte. Heute sind Waale fast überall durch robuste Wasserleitungen ersetzt, doch es ist nach wie vor das Wasser aus den Bergen, das die hiesige Landwirtschaft am Leben hält.

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